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Der Ochudo Trail - Wandern am Fuji mit einem Baby

  • Autorenbild: Nadja Herbig
    Nadja Herbig
  • 15. Sept. 2021
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Sept. 2021


Wandern am Fuji mit einem Baby

Da wir schon mal in Japan sind, wollten wir auch den Berg Fuji besteigen. Er ist der höchste Berg Japans, eigentlich ein Vulkan. Das letzte Mal brach er übrigens 1730 aus.

Wir sind aber eine dreiköpfige Familie mit einem Baby. Kann man mit Baby auf den Fuji rauf?


Bei unserem letzten Besuch, wanderten wir am Fuße des Berges entlang, besuchten das Fujisan World Heritage Center, das Biodiversity Center, sahen die „Funatsu Lava Tree Molds“ (erkaltete, uralte Lavabaumabdrücke im Boden), die heiligen geheimen Höhlen, an denen zur Verehrung des Fuji religiöse Praktiken durchgeführt werden und liefen durch den Wald auf fast unbetretenen Wegen. Das machte Lust auf mehr. Hier erfuhren wir schon einige Information über einen Anstieg auf den Fujisan (wie Japaner ihn liebevoll nennen).


Unsere Internetsuche ergab wenig Infos über die Besteigung des Fuji mit Baby.

Wir erfuhren allerdings, dass es zwei Tage braucht um den Fuji zu erklimmen. Und zwar nur, weil die Wanderer die letzten Meter in den frühen Morgenstunden erklimmen wollen, um dann bei Sonnenaufgang auf der Spitze zu sein. Eigentlich ein ziemlich romantischer Gedanke. Die mutigen Wanderer fuhren meist von dem Bahnhof am Kawaguchi-See mit der Subaru-Bus-Linie bis zur fünften Bergstation und wanderten von dort aus weiter hinauf. Unterwegs zum Gipfel befinden sich viele Hütten, in denen genächtigt werden kann. Beim Lesen der Erfahrungsberichte, stellte sich heraus, dass die Hütten in den Bergstationen jedoch meist laut, voll, eng und wenig gedämmt waren. Das stellten wir uns mit Baby etwas schwierig vor (um unserer und der anderer Willen). Das entsprach also nicht so ganz unserer Vorstellung.


Mein Mann hat sogar in Foren gestöbert und in Kommentaren gelesen, dass das eigentliche Problem bei der Besteigung des Fuji die Höhenkrankheit gewesen sei.


Was macht man nun als Familie? So einfach geben wir ja nicht auf. In Deutschland waren wir als Paar, mit der Familie und Freunden oft wandern. Und einige Male wurde es ziemlich abenteurlich.


Wir wussten von unserem letzten Besuch schon, dass man mit dem Bus bis zur 5. Bergstation fahren kann. Das ist an sich ziemlich praktisch. Da man bereits auf einer Höhe von 2305m ankommt. Aber sich dort nur umschauen, Fotos schießen und einfach wieder zurück fahren ist doch langweilig. Wir wollen Action, Natur und etwas körperliche Ausarbeitung.

Kann man auf der Höhe der fünften Station wandern gehen? Oder von da an einen Abstieg wagen?


Mein Mann suchte nun also nach einfachen Wanderrouten.

Aber vorher überprüfte er genau eingezeichnete Wanderwege bzw. Routen auf Google Maps und MapsMe. Sie zeigten komische und unlogische Wege entlang der Straße.

Jetzt wurde es spannend. Wir wussten aus vorherigen Erfahrungen, dass Google Maps sehr vorsichtig ist mit dem Einzeichnen von Wegen und MapsMe jeden Trampelpfad einzeichnet.


Dann fand er einen. Den Ochudo-Trail. Der Ochudo-Trail war nicht eingezeichnet.


Und schlussfolgerte anhand der Angaben, dass er für uns machbar war.


Wie geht man mit Kind am Fuji-san wandern?


Unser Kind trug mein Mann in der Manduca/Bauchtrage und ich unseren Rucksack mit Verpflegung. Wir hatten beide Wandersandalen an, dünne Hosen und ein leichtes Oberteil, Sonnencreme und Sonnenhut.


Von dem letzten Wanderführer wussten wir, dass man sich eine Jacke einpacken sollte. In Tokyo herrschten allerdings um die 35 Grad Celsius. Für uns in dem Moment nicht vorstellbar, dass wir eine Jacke brauchen könnten. Im Gasthaus erkundigten wir uns erneut nach der Temperatur auf dem Berg. Die Besitzerin des Gasthauses war so freundlich nachzuschauen. Sie riet uns eine Jacke mitzunehmen, aber abends um acht waren es auf der fünften Station noch 24 Grad Celsius. Haha. Wirklich? Jacke? Nö. Also hatten wir keine großen Bedenken.


Auf der Busfahrt zur 5ten Station


Im Bus fiel uns dann aber auf, dass wir die Einzigen waren mit Wandersandalen und kurzärmeligem Oberteil. Alle anderen hatten mehrere Schichten langer Wanderkleidung angezogen und gute, stabile Wanderschuhe. Wir sind 1,5 Stunden mit dem Bus zur fünften Station gefahren. Der Bus war voll und klimatisiert. So gut klimatisiert, dass uns kalt wurde. Richtig kalt. Da wäre eine Jacke tatsächlich praktisch gewesen.


Der Ochudo Trail ist 2,9 km lang und am Ende erwartet den Wanderer wieder eine Busstation(Oniwa), von der man zurück nach Kawaguchi kommt. Wir sind mit der Subaru Buslinie hochgefahren. Von Kawaguchi inklusive der Rückfahrt kostete uns die Fahrt pro Person 2300 JPY (japanische Yen). Die Tickets kauften wir am Bahnhof in Kawaguchi.

Es gibt dafür einen eigenen Schalter. Ich habe versucht in gebrochenem Japanisch zu bestellen. Doch die Angestellten fragten mich: „5th Station?“, auf Englisch. Sie wussten sofort was Sache ist. Hier arbeitet erfahrenes Personal. Sie erkundigten sich noch nach „Roundtrip?“, also Hin- und Rückfahrt, was ich bejahte. Und schwups hatten wir vier kleine ausgedruckte Ticktes in der Hand.


Es erstaunt mich ehrlich gesagt manchmal, dass sie sowas noch machen. Hier geht vieles mit Smartphone oder den elektronischen Karten des ÖPNV. Und die Damen waren so lieb und haben uns ohne nachzufragen einen kleinen, ganz simplen Zeitplan über die Abfahrtszeiten an den Bushaltestellen ausgehändigt. Leider waren diese komplett in japanischen Schriftzeichen, worüber ich jetzt lachen muss. Aber sie haben darauf die Haltestellen Kawaguchi und die fünfte Station bunt markiert. Und dann noch extra für uns die Zeiten der Haltestelle Oniwa markiert. Super! Das ging einfach und unkompliziert.



Angekommen und los


An der fünften Station angekommen sahen wir dann zunächst die Menschen, die tatsächlich den Fuji besteigen wollten. Die waren alle sehr gut ausgerüstet, sportlich aussehend und es war schon ein deutlicher Unterschied zu unserem Erscheinungsbild. Den Fuji besteigt man offenbar nicht einfach in Sandalen als Tagesausflug!

An dieser Station, welche die letzte ist, welche man mit Fahrzeug befahren kann, kann man auch so als Tagestourist viel sehen. Religiöse Stätten, Restaurants, Cafés, letzte Sportläden, Eisstände, Souvenirläden und so weiter. Auch Toiletten, in denen wiederaufbereitetes Wasser zum Spülen genutzt wird. Super, wenn man bedenkt, dass man auf einem Berg in 2305m Höhe befindet. Hier oben können sogar Postkarten abgeschickt werden. Das sorgt bestimmt für Freude beim Empfänger. Wir liefen zunächst etwas herum und gerieten sogar an den Beginn des Wanderwegs hinauf zum Fujisan. Dort waren Pferde stationiert. Wir vermuteten, dass man sie ausleihen kann zum Transport der Ausrüstung. Und wir wurden sofort von mehreren Japanern angesprochen, die mit einem Fiebermessgerät auf uns zu kamen. „Ups! Also hier geht’s los zum Anstieg des Fujisan,“ dachte ich mir. Wir verneinten natürlich. Dort stand auch ein uralter Amboss. Genau so einer wie in der Scheune meines Schwiegervaters. Ich war erfreut. Denn das bewies, wie lange hier hinauf schon gepilgert wird und welche Handwerke sich hier schon immer angesiedelt hatten.


Hier könnt ihr euch ein paar Bilder anschauen. Drückt dazu bitte im Bild auf die Pfeile an der linken oder rechten Seite. Ihr könnt aber auch die Pfeiltasten auf eurer Tastatur verwenden.




Und hier habe ich ein paar Momente als Video für euch festgehalten:





Ab jetzt wird gewandert


Nun hatten wir aber genug gesehen und wollten los wandern. Das Baby wurde in die

Trage gesteckt und los gings.


Der Beginn des Ochudo Trails liegt genau an der

Stelle, an der der Bus einfährt zur fünften Station.

Auf der rechten Seite führt eine Treppe hinauf und oben erwartet den Wanderer ein Schild und lässt ihn wissen, dass er nun auf dem Ochudo Trail ist.


Der Weg ist steinig und führt ungefähr an der Baumgrenze des Berges entlang. Immer wieder wiesen uns große Steine den Weg. Und wir wurden mit vielen Informationen zur Fauna und Flora des Berges und der geologischen Besonderheiten, durch Schilder, versorgt. Die Wanderung dauert ungefähr eine Stunde. Weil wir jedoch sehr oft stehen blieben und uns erstaunt umsahen, die Pflanzen betrachteten, die Schilder lasen, brauchten wir länger.


Wer schon mit Wandersandalen auf steinigen Wegen unterwegs war, weiß dass sich hin und wieder ein Steinchen zwischen Fußbett und Fußsohle verirrt. Doch wer sich davon nicht beeindrucken lässt, kann ruhig mit guten Wandersandalen die Wanderung antreten.


Das Wetter war genau richtig. Wir hatten oftmals Wolken, die über uns zogen oder uns umhüllten. Sie waren kühl und erfrischend und spendeten Schatten. Ohne schien die Sonne wirklich stark. Der Weg führt allerdings auch durch etwas Wald, also ist man nicht ständig der Sonne ausgeliefert.

Hier und da gibt es Rastplätze für ein Picknick. Die Schilder weisen immer die Entfernung zum nächsten Rastplatz oder nächstem großen Schild, aus.



Am Ende angekommen. Und nun?


Der Ochudo Trail endet an der Haltestelle Oniwa.

Hier gibt es Toiletten. Wenn man hier in den Bus einsteigen will, winkt man ihm hektisch zu, da er von oben herangerollt kommt. Wer hält schon gern an jeder Haltestelle sinnlos und bremst, wobei man doch so schön herunterrollen kann.


Doch wir wussten, dass das Abenteuer hier noch nicht vorbei war.

Linkerhand der Toiletten führte ein gepflasterter Weg hinab in einen Wald. Achtung! Die Steine hier sind bei Nässe rutschig und nicht immer erfreulich für empfindliche Knie. Die Bäume links und rechts sind wundersam verformt.


Am Ende des „Abstieges“ erwartete uns ein Teehaus, an deren Seite viele Fotografen mit großen Objektiven standen. Was machen die da?



"Okuniwa Nature Park"


Wir liefen am Teehaus vorbei. Denn hier befindet sich ein kleiner Rundwanderweg zu einer Aussichtsplattform. Dieser Teil nennt sich „Okuniwa Nature Park“.

Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Auch hier werden dem Wanderer ein bis zwei Rastplätze angeboten. Wir nutzten dies natürlich für unser Mittagessen. An ihnen hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Fujisan und runter ins Tal, bei klarer Sicht. An einem wolkigen Tag schaut man auf ein verzauberndes Wolkenmeer.






Ein gastfreundliches Teehaus


Beim Teehaus wieder angekommen machten wir noch einmal Halt. Denn es war noch Zeit zum nächsten Bus. Hier wurde mir wieder klar, dass ich mein Japanisch verbessern muss. Wir hatten ein paar Missverständnisse bei der Bestellung. Haha…


Und hier bekamen wir auch die Antwort auf unsere Frage: Was machen die Fotografen da?

Das Teehaus war über unseren Köpfen mit Vogel- und Tierfotografien geschmückt. An der Seite, an der die Fotografen standen, war ein kleiner Waldtümpel angelegt. Alle Objektive waren darauf gerichtet und die Fotografen starrten gebannt in den Wald. Hier ließen sich scheinbar diese wunderbar bunten Vögel blicken, die über und über das Teehaus schmückten.


Die zwei älteren Damen, welche das Teehaus gleichzeitig auch als Restaurant bedienten, waren überaus freundlich und verzückt über unser Kind. Vom japanischen Radiogedudel beschallt, tranken wir unsere falsch bestellten Getränke aus und machten uns dann erfrischt auf den Weg. Wie bei diesem Gedudel ein Vogel erscheinen sollte, war uns allerdings etwas rätselhaft. Die beiden Damen gaben uns auch den Hinweis, dass man dem Bus zuwinken soll, wenn er angefahren kommt.




Die Rückfahrt


An der Haltestelle trafen wir noch auf zwei Fotografen und einen Herren, der Englisch sprach. Mit Übersetzung bestätigten sie freundlich, dass es sich wirklich um Vogelfotografie handelte. Faszinierend! Sie zeigten uns auch Bilder. Die Tiere waren wunderbar bunt.


Der Bus brachte uns bequem runter ins Tal. Beide Male waren die Busse gut gefüllt. Doch Familien mit kleinen Kindern bekommen oft einen Platz angeboten.


Wir trafen ungefähr 15:00 Uhr in Kawaguchi wieder ein und beendeten somit entspannt unseren Aufstieg zum Fuji.




Ich hoffe, der Bericht hat euch gefallen und der einen oder anderen Familie Mut gemacht kleine Wanderungen auch mit Kindern zu unternehmen.


Vielen Dank fürs Reinschauen!


Eure Nadja



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