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Februargrüße

  • Autorenbild: Nadja Herbig
    Nadja Herbig
  • 16. Feb. 2022
  • 5 Min. Lesezeit

Hallo ihr Lieben!

Wiedermal ein Gruß aus Tokyo! Seit langem wahrscheinlich.

Blühende "Winter sweet" auf dem Mt. Mitake mit Tokyo

Auf meinem Laptop liegen schon ein paar angefangene Arbeiten. So ist das eben wenn man ein ganzes Land in kurzer Zeit bereisen will und mit Kind. Aber ich dachte heute packe ich es mal. Mir kam nämlich ein Gedanke…


Ich stand heute Mittag im "Family Mart".

Das ist ein Combini oder auch genannt: ein Convenience-Store.


Ich stand dort am Drucker, wartete auf die Fotos, die ich in unserem Appartement aufhängen wollte und stellte fest, wie gut wir uns eingewöhnt hatten:

„Ich benutze einen Drucker im Combini und konnte an ihm Fotos ausdrucken ohne jemanden um Hilfe Fragen zu müssen. Das fühlte sich sehr gut an,“ dachte ich. Ich schaute mich um. Das Drucken würde noch ein paar Minuten dauern. Auf dem Display wurde ein Fehler-Such-Spiel angezeigt, damit einem nicht langweilig wurde.

Beispiel für einen Combini

Hinter mir war das Regal mit den Kosmetik- und Hygieneprodukten. Hier schaute ich gerne nach, ob es etwas Interessantes gab. Es fühlte sich an, wie durchs heimische „dm“ zu schlendern. Nur kürzer. Und die Preise hier waren teurer als in einer Drogerie. Aber für den Notfall gab es hier alles. Sogar „Heattech“-Kleidung und Notfall-Unterwäsche. Man wusste ja nie…



Ich stellte auch zufrieden fest, dass ich die meisten Namen der Produkte ohne Übersetzer lesen konnte. Mittlerweile konnte ich Hiragana und Katakana lesen und mit etwas Fantasie das Englische Wort hinter dem Katakana erkennen. Zum Beispiel: Handcreme = ハンドクリーム.

(Ja, Japanisch setzt sich aus drei Schriftarten zusammen. Hiragana, Katakana und Kanji.)

Hat sich das Lernen doch schon mal gelohnt, wenn ich beim Einkaufen gut zurechtkomme. Für alle Produkte reicht es natürlich nicht. Besonders spezielle hier heimische Produkte wie Nudeln, Pasten, Öle, Fischsorten. Da ganz oft die Namen verschnörkelt auf Japanisch auf der Verpackung stehen. Da hören meine Lesefähigkeiten derzeit auf bzw. kann das der Übersetzer nicht erkennen.


Heute ist Sonntag. Ein sehr entspannter Sonntag. Ich durfte laaaaange im Bett liegen bleiben. Das war ich nun auch nicht mehr gewohnt. Sonst geht es in unserer Wohnung fröhlich und wuselig zu, doch heute ging mein Mann sogar mit dem Kind zeitig raus. Damit ich Ruhe haben durfte. War etwas gewöhnungsbedürftig. So viel Ruhe.


Nach ihrer Rückkehr frühstückten wir und genossen einen sehr langsamen Morgen in unserer kleinen Wohnung. Wäsche waschen, Fenster putzen, Kaffee kochen, Entwicklung meines Kindes dokumentieren (habe ich seit November nicht mehr gemacht). Bäuchlings auf dem Fußboden liegend. Malen mit Mama und Lego bauen mit Papa.

So ein schöner Familiensonntag. So ein schöner Moment. Von meinem Bodenquartier aus konnte ich den blauen Himmel und die weichen Schleierwolken vorbeiziehen sehen.



Aber jetzt gerade befanden wir uns auf dem Weg zum Mittagessen. In Japan gibt es große Ketten von Familienrestaurants in denen man bequem über, am Tisch stehende Tablets, bestellen kann. Fast jeder Tisch hat sein Abteil und man ist dadurch etwas ungestörter. Die Preise sind moderat. Hier sehe ich auch oft, am Laptop arbeitende Leute sitzen. Einige sehen aus wie Unternehmer, andere wie Studenten oder Schüler. Manchmal sind hier auch Eltern und ihre Kinder neben dem Essen mit den Hausaufgaben beschäftigt. Aber das sieht alles eher gemütlich als stressig aus.

Sieht man das in New York und anderen großen Städten auch öfter? Arbeitende Menschen in Cafés und Restaurants?


Diese Restaurantketten, in denen wir essen waren, sind familienfreundlich. Hier sind einige Namen der Restaurants die wir schon besucht haben: „Gusto“, „Jonathan‘s“ und „Saizeriya“.

Es gibt eine dazu buchbare Trinkbar mit einem moderaten Preis von ca. 200 JPY, an der man sich frei bedienen kann. Kaffee, Tee und Säfte sind immer anzutreffen. In teureren Restaurants gibt es auch alle Sorten an Kaffee-Milch-Getränken(Latte, Cappuchino, Mokka,…), Kakao. Dann auch Limonaden, die besonders sind in Japan. Zumindest habe ich sie so noch nicht in Deutschland gesehen: Melonen-Fanta, Calpis Soda, alle Geschmackssorten Cola und Sirup-Limonaden von Qoo, die ich nicht wirklich kenne. „Milk Tea“ ist hier auch beliebt und kam durch den britischen Einfluss in China nach Japan. Und natürlich gibt es auch einige Getränke in Matcha-Geschmacksrichtung. Mein Mann ist dem Geschmack gegenüber nicht sehr zugetan, aber mich stört er nicht. Seit meiner Kindheit trinke ich schon grünen Tee und bin den leicht herben Geschmack gewohnt. Dies ist natürlich nicht die ganze Geschmacksbreite der Getränke, aber ich denke es reicht für einen kurzen Einblick.

Kinder können sich kostenlos Spielzeug an "Gashapon"-Automaten holen, wenn sie ein Kindermenü hatten. Sie bekommen nämlich Gashapon-Münzen dazu. Das führt zu Freude bei Kindern und Eltern. Mein Kind freut sich außerdem zurzeit gern über einen Spaziergang zur Trinkbar. Es sorgt für Unterhaltung und sie darf für mich die Knöpfe an den Automaten drücken.

Im Restaurant wird entspannende Musik mit Vogelstimmen gespielt, was sehr entschleunigt. Das Essen wird nach Bestellung angemessen schnell geliefert und schmeckt. Heute hatten wir zum Beispiel eine Ramen-Tomaten-Suppe mit viel Gemüse, einen knusprigen Hühnchen-Burger, wobei das eher eine Bullette ist und ein hypoallergenes Kindercurry mit Reis.


Meine Japanisch-Kenntnisse reichen nun auch für kleine Floskeln mit den Kellnern oder einem Smalltalk mit Tischnachbarn. Dieser wird ganz oft durch unser Kind ausgelöst. Blonde Kinder fallen hier nun mal etwas auf. Letzteres blieb aber heute aus.


Man sieht auf den folgenden Bildern das Tablet, viele Getränke, eine japanische Menübestellung mit Hühnchen, Reis, Miso-Suppe, fermentiertem Gemüse, Sesam-Sunday-Eis als Nachtisch und ganz typisch: stolze Eltern, wenn das Kind alleine aus der Tasse trinkt.



Des Weiteren kann ich euch berichten, dass es uns gut geht. Allerdings halten auch wir uns an die Regeln der sozialen Distanzierung, da „C“ hier ebenfalls grassiert und die Kurve weiter steigt.


Zum Glück gibt es hier schöne Parks in denen wir frische Luft und schöne Natur genießen können. Man merkt im Alltag das die Tokioter sich eher Zuhause aufhalten. Zwischen den Rush Hours ist die Stadt nun nicht ganz so belebt. Nicht ganz so still wie ein Lockdown in Deutschland, aber definitiv ruhiger als Tokyo zu normalen Zeiten. Zumindest in meinem Bewegungsradius. Das habe ich zum Beispiel schon in Shinjuku erlebt, als ich am Donnerstag einen Ausflug zum „Shinjuku Gyoen National Park“ unternommen habe(siehe Bilder). Oder ab und an in Ikebukuro. Es ist ein weiteres Unterhaltungs- und Erlebnisviertel mit zahlreichen Restaurants, Kneipen, Bars und Geschäften. Dort gibt es auch ein Aquarium in das ich gerne gehe, wenn ich nichts mit mir und meiner Tochter anzufangen weiß.



Zurück zum Japanisch: Meine Ferien haben begonnen! Juhu! Aber ich warte schon auf das neue Anmeldedatum für das nächste Level und wiederhole bis dahin die Lektionen um mithalten zu können. Zuletzt ging es in der Grammatik doch sehr schnell voran. Anscheinend werde ich auch am Kurs teilnehmen dürfen, als „Spouse“(Ehefrau). Es werden vorher aber Studenten und Forscher priorisiert. Die Lehrer ermutigten mich jedoch und meinten es gäbe genug freie Plätze. Auch der Kanji-Kurs endete nun und ich erkenne immer mehr Kanji im Alltag wieder. Aber es ist immer noch ein lustiges Spiel, zu erraten, ob die beiden aufeinander folgenden Kanji jetzt ein Wort mit dieser oder jener Bedeutung ergeben oder ob sie alleine stehen. Oder ob sie in „on-yomi“(Hiragana) oder „kun-yomi“ (Katakana gelesen) werden.



Mein Mann und ich haben nun festgestellt, dass es noch allerhand zu sehen gibt in Japan und haben nun schonmal ein paar Urlaube gebucht. Zum Beispiel für die Kirschblüte. Das muss man ja unbedingt mal miterlebt haben. Hoffentlich klappt das auch alles.


Ich sitze gerade auf unserem Sofa und tippe diese Zeilen für euch. Ich hoffe ihr fühlt euch etwas mitgenommen, auf meinem Abenteuer. Viele Berichte waren es bisher nicht. Aber ich habe verstanden, dass ich keine Veröffentlichungsdaten versprechen kann.


Da mein Mann lange arbeitet, bin ich lange alleine mit Kind und viel Energie bleibt am Abend nicht zum Schreiben übrig. Dann wiederhole ich meist Japanisch-Lektionen oder kümmere mich um Organisatorisches. Ausflüge müssen ja vorher noch meist recherchiert oder offizielle Texte übersetzt werden um im alltäglichen Leben hier mithalten zu können.


Aber einige Webseiten habe ich bisher ausfindig gemacht. Sie bieten mir viele Inspirationen für Ausflüge in Japan.

Zum Beispiel:

· travel.gaijinpot.com

· timeout.com

· bestlivingjapan.com

· tokyocheapo.com

· savvytokyo.com

· match-jp.com

· jw-webmagazine.com


Hier endet der Eintrag leider auch schon. Ich bin froh wieder ein paar Zeilen niedergeschrieben zu haben.


Wo immer ihr auch seid: Ich hoffe es geht euch gut!

Wir hören uns bald wieder und bleibt neugierig!


Eure Nadja


Später Herbst im "Higo-Hosokawa-Garden"


 
 
 

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